Bericht der OTZ vom 07.05.2018
Ungebremst ins Stauende gerast: Weitere Details zu den schweren Unfällen am Dienstag auf der A 9 bei Schleiz
Schleiz. Nach den schweren Unfällen am Dienstagnachmittag auf der Bundesautobahn 9 bei Schleiz sind nun weitere Erkenntnisse bekannt.
Demnach handelte es sich bei dem Toten um einen 53-jährigen Mann aus dem Saale-Holzland-Kreis. Er war mit seinem 7,5-Tonner, einem Verkaufsfahrzeug, zwischen zwei 40-Tonnern zerquetscht worden. Die Autobahnpolizei geht davon aus, dass der Thüringer sofort tot war. Der Verkaufswagen befand sich hinter drei bereits stehenden Sattelschleppern, die durch den Aufprall eines vierten Sattelschleppers auf den Verkaufswagen alle ineinander geschoben wurden. Die bei dem Aufprall des vierten Sattelzuges zerstörte Tachoanzeige des Fahrzeugs zeigte eine Geschwindigkeit von knapp 80 Kilometern pro Stunde an. Laut Schleizer Feuerwehr ist an den Unfallspuren ersichtlich, dass der vierte Sattelschlepper den Verkaufswagen noch gut 80 Meter vor sich her schob, bis das Fahrzeug des 53-Jährigen in die drei vor ihm stehenden Lastwagen gepresst wurde. Ein Sachverständiger vor Ort nahm die Unfallspuren für einen in der Entstehung befindlichen Bericht zum Unfallhergang auf.
Der verunfallte 33-jährige Motorradfahrer aus Berlin , durch dessen Rettung sich der Stau auf der Bundesautobahn 9 in Höhe Görkwitz entwickelte, ist außer Lebensgefahr. Medizinisch stabil ist auch der Lastwagenfahrer, der mit seinen in Polen zugelassenen 40-Tonner den Verkaufswagen des Unfalltoten auf einen mit Papierrollen beladenen Sattelschlepper schob. Der 40-jährige Ukrainer wurde in einer zweistündigen Rettungsaktion aus seiner immer wieder aufflammenden Fahrerkabine herausgeschnitten.
Der Mann habe wirklich Glück gehabt, dass viele Ersthelfer die Flammen in der Fahrerkabine bis zum Eintreffen der Schleizer Feuerwehr eindämmten. „Die Ersthelfer haben mit 16 Feuerlöschern und bei unserem Eintreffen mit Wasserflaschen den Brand in Schach gehalten. Wäre das nicht gewesen und wir nicht schon so nah an der Unfallstelle, wäre der Mann lebendig verbrannt“, schildert der Schleizer Stadtbrandmeister Ronny Schuberth . Trotz der Nähe der Einsatzkräfte zur Unfallstelle habe es zeitliche Verzögerungen wegen einer nicht ordnungsmäßig gebildeten Rettungsgasse gegeben. Hätten die Einsatzkräfte jedoch aus ihrem Gerätehaus in Schleiz zur Rettung ausrücken müssen, wäre der Eingeklemmte bei ihrem Eintreffen wohl schon ein Opfer der Flammen gewesen.
„Nur der Fahrersitz hat noch nicht gebrannt aber oben, unten und rechts von dem Fahrer sind die Flammen bis zum Dach der Fahrerkabine gezüngelt.“ Die Rettung des Mannes dauerte auch deshalb so lange, weil die beiden Sattelzüge „formschlüssig verkeilt“ waren, beschreibt Schuberth . Da bei dem vorderen Lastwagen aufgrund des harten Aufpralls die Bremsen blockiert waren, konnten die Fahrzeuge nicht auseinander gezogen werden. „Eine Rettung von vorne war nicht möglich. Wir haben die besten Rettungsgeräte, die es auf dem Markt gibt, aber einen voll beladen 40-Tonner mit festen Bremsen können wir nicht bewegen.“ Deshalb musste der Mann Stück für Stück freigeschnitten werden. Zwischendurch mussten die in der Fahrerkabine immer wieder aufflammenden Feuer gelöscht werden. „So einen Einsatz, mit parallelem Löschen und Retten, hatte ich das erste Mal“, erzählt der Stadtbrandmeister.
Insgesamt waren mehr als 30 Feuerwehrkräfte aus Schleiz , Triptis und Hirschberg im Einsatz. Nach der erfolgreichen Rettung des 40-Jährigen, konnten die Einsatzkräfte vereinzelt kurz verschnaufen, Einsatzleiter Schuberth ließ Kaffee und alkoholfreie Kaltgetränke zum Einsatzort bringen. „So eine lange Rettung ist unglaublich kräftezehrend. Wobei man bedenken muss, dass die meisten Einsatzkräfte bei Einsatzbeginn schon einen Großteil ihres Arbeitstages hinter sich hatten.“
Wie schon so oft hatten die Einsatzkräfte auch bei diesem tragischen Unfall mit Schaulustigen zu tun. Einer von ihnen wurde von den Einsatzkräften bei der Polizei angezeigt, weil er einen Feuerwehrmann mit Gewalt dazu drängen wollte, das Geschehen an der Unfallstelle zu filmen. Wie die Feuerwehr im Nachhinein erfuhr, war der Angezeigte zuvor einer der Ersthelfer gewesen, die das Leben des eingeklemmten Lastwagenfahrers mit retteten. Als die Bergung des Toten begann, wurden die Schaulustigen auf der Brücke über der Autobahn auf Bitten Schuberths von der Polizei weggeschickt.
Ab 21 Uhr konnten die Einsatzkräfte wechselweise in der Gaststätte in der Seng mit Abendessen versorgt werden. „Das gehört zum Teil auch mit zur Aufarbeitung. Außerdem waren wir danach noch viele Stunden mit der Bergung beschäftigt.“ Bis 2 Uhr nachts dauerten die Bergungsarbeiten an. Die Papierrollen auf dem Lastwagen, in dessen Heck der Verkaufswagen gequetscht wurde, flammten immer wieder auf. Die Papierrollen wurden einzeln geborgen, abgelöscht, in Stahlcontainern abtransportiert und noch bis 3 Uhr nachgelöscht. „Unsere Einsatzkräfte waren zwölfeinhalb Stunden im Einsatz, deshalb habe ich aus Gründen des Arbeitszeitschutzes auch eine Nachschlafzeit bis 12.30 Uhr angeordnet“, berichtet Schuberth .
Weitere Löscharbeiten wegen erneutem Aufflammen der Papierrollen waren gestern Mittag notwendig.
Eine Einsatz-Nachbesprechung erfolgt kommenden Dienstagabend im Rahmen des Ausbildungsabends der Schleizer Wehr. Die Nacharbeiten des Einsatzes dauern schätzungsweise bis Freitag an.












