JHV 2014 – 11.03.2014

1

Die rund 160 ehrenamtlichen Schleizer Einsatzkräfte der Stadt und der Ortsteile rückten im vergangenen Jahr zu 181 Einsätzen aus. Personelle Einsatzbereitschaft nicht verbessert. Deutliche Kritik an Polizeiunterstützung auf der Autobahn.

Porträt

Schleiz. Zuerst kommt immer der Dank an die, die ihn verdient haben: die Familien und Partner, die einen Feuerwehrmann oder eine -frau an ihrer Seite ­haben, und damit leben müssen, dass der Alarm zur unpassenden Zeit losgehen kann. Der Dank an Arbeitgeber, die wissen, was sie von einer freiwilligen Feuerwehr haben und deshalb Mitarbeitern im Einsatzfall frei geben. Und der Dank an die Kommunalpolitik, die viel Geld in die Hand nimmt, um die Feuerwehr technisch auf der Höhe der Zeit zu halten.

Dieser Dank stand auch an der Spitze der Jahreshauptversammlung der Schleizer Feuerwehr am vergangenen Freitag, und er wurde von Bürgermeister Klimpke, dem Oettersdorfer Bürgermeister Carl, Landrat Fügmann sowie Kreisbrandin­spektor Thiersch an die Wehren zurückgegeben.

Stadtbrandmeister Ronny Schuberth nannte aber auch deutliche Brandstellen bei der Feuerwehr. Es ist vor allem die personelle Einsatzbereitschaft der Wehren, die sich trotz intensiver eigener Bemühungen nicht verbessert habe. "Sie ist aber noch nicht existenziell gefährlich", räumte Schuberth ein. Probleme sind die geringere Verfügbarkeit von Einsatzkräften während der Arbeitszeiten und die Einsatzfähigkeit kleinerer Feuerwehren im Umland.

Das weitaus größere Problem für die Schleizer Feuerwehr ist die Autobahn. Seit der Einrichtung einer Autobahn-Polizeiin­spektion am Hermsdorfer Kreuz ist offenbar das eingetreten, was seitens der Einsatzkräfte befürchtet wurde – die Anfahrzeiten sind so lang, dass die Hilfskräfte selbst lange schutzlos auf der A9 agieren müssen. "Es kann und darf nicht sein, dass Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr ohne polizeiliche Sicherung arbeiten müssen", gab Ronny Schuberth bei allem Dank der Polizei mit auf den Weg. Davon nahm er die Inspektion Saale-Orla ausdrücklich aus und bezeichnete es als "Politikum", dass die Polizei aus Schleiz der Feuerwehr auf der Autobahn nicht mehr helfen könne und dürfe.

Zur erfreulicheren Statistik gehört, dass für die Feuerwehren 2013 rund 180"000 Euro ausgegeben wurden, davon knapp 23"000 Euro für neue Investitionen. Fast 66"000 Euro konnten durch Einnahmen aus kostenpflichtigen Einsätzen oder freiwillige Leistungen erwirtschaftet werden. Im Rahmen der Maschinistenausbildungen wurden Wartungs- und Pflegemaßnahmen an der Einsatztechnik der Schleizer Feuerwehren selbst durchgeführt. Dadurch spare die Stadt jährlich bis zu 15"000 Euro, rechnete Schuberth vor.

Ein Dankeschön ging an die Stadt Schleiz und das Feuerwehrmitglied Frank Reißig, der im städtischen Bauhof beschäftigt ist. Er hat im Jahr 2013 insgesamt 602,75 Stunden erbracht für Wartungs- und Pflegearbeiten an Technik und Gerätehäusern der Stadt Schleiz. Das entspricht etwa 40 Prozent seiner Arbeitszeit, betonte Schuberth.

Die Wehren wurden 2013 zu insgesamt 181 Einsätzen gerufen, davon mussten in 22 Fällen auch Ortsteil-Feuerwehren ran. In 124 Fällen war es technische Hilfeleistung, Gefahrgutbeseitigung und Amtshilfe, 37 Einsätze waren Brände und sieben Mal lösten Brandmeldeanlagen falschen Alarm aus. Viele Stunden absolvierten Mitglieder der Wehren für Aus- und Weiterbildung, Übungen und Jugendarbeit, ebenso bei Aktionen des Feuerwehrvereins.

Vertreter der Schleizer Wehren zogen Bilanz, den größten Anteil hatte Axel Wöhrle als Wehrleiter der Stützpunktfeuerwehr. Wöhrle hatte neben der Einsatzstatistik und den Aktivitäten zur Nachwuchsgewinnung auch eine bedenkliche Information. So soll eine Lehrerin die Bitte eines Schülers um Freistellung von einer Klassenfahrt am 25. Januar 2014 wegen einer Feuerwehrausbildung mit: "Da hast du aber eine schöne Ausrede", vor versammelter Klasse quittiert haben. Thomas Fügmann griff das als völlig inakzeptabel auf und will der Sache nachgehen.

Uli Drescher / 11.03.14 / OTZ

Uli Drescher kommentiert die Zugehörigkeit von Oettersdorf zur Schleizer Feuerwehr

11.03.2014 – 08:22 Uhr

Uli Drescher über eine Lösung, die offenbar viel besser funktioniert als Kritiker einst dachten.

Im Januar 2011, als bei der Feuerwehr in Oettersdorf die Luft brannte und man Bürgermeister Henry Carl (SPD) vorwarf, die Gemeinde nach Schleiz zu verkaufen mit der Feuerwehr als erstes Opfer und Feuerwehrmitglied Jochen Köhler aus der Feuerwehr ausgeschlossen wurde, da war ein ganzes Dorf gespalten. In der Folge zerlegte sich die Oettersdorfer Wehr selbst und Leitungsfunktionen waren nicht mehr zu besetzen. Damals ging der Bürgermeister im Interesse der Erhaltung des Brandschutzes den wohl einzig richtigen Weg – nach Schleiz. Die Schleizer Feuerwehr übernahm die versprengten Reste der Oettersdorfer Wehr und heute arbeiten Oettersdorfer Feuerwehrmitglieder Seite an Seite mit ihren Kollegen aus Schleiz. Ziel soll sein, im kommenden Jahr wieder eine eigenständige Feuerwehr in Oettersdorf zu bilden.

Die jetzige gute Zusammenarbeit zeigt, dass erstens niemand unersetzbar ist und zweitens die Vernunft am Ende gesiegt hat. Wenn sich ein Dorf wegen der Feuerwehr entzweit, hat niemand etwas davon.

JHV 2014 – 11.03.2014

Zurück zum Blog

Nach oben scrollen