Schneefall sorgte für einen kilometerlangen Stau auf der Autobahn 9. Die Fahrer Dutzender Lastwagen mussten die Nacht zu Donnerstag in ihren Fahrzeugen auf der Autobahn verbringen. Ein Gespräch mit dem Schleizer Stadtbrandmeister Ronny Schuberth.
Schleiz. Ein Funkgerät knistert laut, der Schleizer Stadtbrandmeister Ronny Schuberth bestätigt kurz die Verbindung und gibt Anweisungen durch, wie seine Leute nun auch die letzten Ausläufer des Riesenstaus auf der A 9 räumen sollen. Starker Schneefall und liegengebliebene Lastwagen hatten seit Mittwochabend Teile des Streckenabschnitts zwischen Hermsdorfer Kreuz und bayerischer Landesgrenze lahmgelegt .
Schuberth sitzt im Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Schleiz irgendwo zwischen den Anschlussstellen Schleiz und Bad Lobenstein . Seit dem frühen Donnerstagmorgen sind er und seine Kollegen sowie das technische Hilfswerk, die Autobahnpolizei und Straßenwärter im Einsatz, um den im Zuständigkeitsbereich der Schleizer Wehr etwa 30 Kilometer langen Stau aufzulösen. „So, jetzt bin ich bereit“, sagt Schuberth . Für den erfahrenen Feuerwehr-Verantwortlichen ist es nicht der erste Stau dieser Art, daher hat er ein paar Tipps für das Überleben auf der Autobahn im Winter.
Haben Sie einen Stau dieser Länge und Dauer schon einmal erlebt?
Ja, wir haben solche Staus schon gehabt. Ich weiß nicht genau, ob es das Jahr 2010 mit dem Schneebruch war, aber wir hatten auf unserem Abschnitt der Autobahn 9 auch schon einmal einen 48-Stunden-Stau.
Anscheinend blockierten Lastwagen die Fahrbahn. Wie kann das passieren?
Das Grundproblem war das Wetter. Die Lastwagen kamen ursächlich an einem Berg bei Triptis beidseitig zum Stehen und leider sind massenhaft Lkw auch auf die dritte Spur gefahren und dort stecken geblieben. Damit kamen weder Pkw noch Räumdienste durch. Wenn dann einmal alles steht und es weiter schneit, dann ist es halt vorbei.
Was können die Einsatzkräfte da machen?
Die Lage muss erst einmal im Zentrum der Polizei analysiert und erkannt werden. Es nimmt etwas Zeit in Anspruch, bis klar ist, was los ist. Die Polizei erreicht in so einem Fall auch nicht so schnell den Ort des Geschehens. Gegen 22 Uhr am Mittwochabend lief der Verkehr im Bereich Triptis eigentlich wieder. Aber dann staute es sich leider von der Anschlussstelle Dittersdorf aus auf, und in diesem Moment haben sich die Fahrer schlafen gelegt. Das war das nächste größere Problem.
Wie viele Fahrer mussten durch Klopfen ans Fenster geweckt werden?
Hunderte. Es ist schwer einzuschätzen, denn die Polizei hat geweckt, das THW, die Feuerwehr. Eigentlich stand jeder Lkw mit ausgeschaltetem Licht da. Die Fahrer schliefen. Das ist ein normaler Vorgang. Die Lkw-Fahrer haben ihre Lenkzeiten und die nutzen einen solchen Stau, um sofort ihre Karte zu stecken und zu schlafen.
Wie reagieren die Menschen nach einer Nacht im Auto auf die Einsatzkräfte?
Es gibt sehr unterschiedliche Reaktionen. Einerseits wollen manche Fahrer eine einmal begonnene Pausenzeit gern auch durchziehen. Die beschweren sich dann, weil sie noch eine Viertelstunde stehen bleiben wollen. Andere kommen völlig übermüdet aus ihrer Kajüte und wissen überhaupt nicht so richtig, wo sie sind. Es gibt aber auch viele, die mit Daumen hoch den Einsatzkräften signalisieren: „Ey Leute, es ist toll, dass ihr das macht.“
Könnten sich Lkw-Fahrer mit Schneeketten selbst helfen?
Die wenigsten haben diese Schneeketten und wir reden von ganz anderen Dimensionen. Das Problem ist hier schlicht das erste Fahrzeug. Wenn sich die Räder der ersten Fahrzeuge nicht mehr drehen, können die dahinter tun und lassen, was sie wollen. Dann geht es für niemanden mehr vorwärts.
Wie ist die Feuerwehr aufgestellt, wenn jetzt irgendwo ein Haus brennt?
Wir haben grundsätzlich für solche Einsätze nur einen geringen Anteil der Kräfte gebunden, weil wir natürlich noch andere Aufgaben haben. Die Feuerwehr Schleiz ist hier mit neun Mann vor Ort. Aber auch von einem Stau geht eine Gefahr für die Menschen aus. Wir hatten über den Landkreis angefangen eine Stauversorgung der Festsitzenden zu organisieren, aber weil es dann wieder anrollte, unterblieb dies. Eine Versorgung ist nur möglich, wenn der Stau stehen bleibt. Wenn wir die Fahrzeuge in Bewegung bringen, wie in diesem Fall seit früh in der Nacht, dann macht das keinen Sinn. Die Helfer erreichen die Fahrzeuge schließlich nur zu Fuß. Meine Kameraden haben hier heute zum Teil schon zwischen 15 und 17 Kilometer hinter sich.
Was sollten Verkehrsteilnehmer im Winter unbedingt im Auto haben, wenn solches Wetter erwartet wird?
Grundsätzlich sollten sie erst einmal Vernunft im Auto haben. Als Zweites auf jeden Fall ausreichend Kraftstoff. Wenn die Gefahr besteht, dass es zu einem Stau kommt, sollte man nicht mit einem Vierteltank auf die Autobahn fahren. Wir haben heute einige betanken müssen. Zuletzt sollte man Dinge dabei haben, die wärmen: eine Decke, heiße Getränke. Man muss sich ein Stück weit selber versorgen, denn die Verkehrsteilnehmer haben keinen Anspruch, im Stau versorgt zu werden. Wenn, dann ist es eine Geste der Rettungskräfte, die wie ich angedeutet habe, organisatorisch höchst schwierig ist.




